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Watered – To those who will never exist

Auch wenn der Verweis auf instrumentalen Rock, hinlänglich als Post-Rock bezeichnet und nicht immer wirklich unterhaltend in die Annalen der Musikhistorie eingegangen, mittlerweile für so manches Augenrollen und für gelegentliche Fluchtmechanismen sorgen mag, sei an dieser Stelle aber eben doch auf das Debüt einer jungen Band aus dem schönen Karlsruhe hingewiesen, die sich genau dieser Spielart des Rock hingibt.

Lustvoll hingibt, soll vorweg gesagt sein, denn es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Leidenschaft hier im völligen Alleingang Klangbilder ineinandergeschoben werden, Dynamiken eruptiv immer wieder einen Bogen schlagen, stete Wechsel der Rhythmik der Monotonie zuvorkommen und technische Spielereien wie elektronische Beats oder wirre Filmsamples scheinbar mühelos in den steten Fluss von „To those who will never exist“ eingepasst werden. Klar, kommen dem Hörer immer wieder Namen wie Caspian, frühe This will destroy you oder die wunderbaren Kokomo in den Sinn aber in vielen mitreißenden Momenten entledigen sich Watered per Brecheisen der schweren Last ihrer eigenen, mutwillig vom Autor untergejubelten Vorbilder und lassen untypisch viel Druck und Rotz den Weg zu der nötigen Portion Eigenständigkeit ebnen.

Dem herrlich melancholischen Grundtenor des Albums tut das zu keinem Zeitpunkt einen Abbruch. Zum Glück, denn diese Stimmung ist nicht nur die eigentliche Schönheit der sieben Songs, sondern auch schon mal der nötige Rettungsanker, der dem gelegentlichen Verlust des roten Fadens entgegenwirkt. Mit diesem Vorteil bewaffnet, bieten Watered per schwermütiger Klanglandschaften und großer musikalischer Gesten der Kehrseite des Ideenreichtums, nicht immer zweckdienlich sein zu können stets erfolgreich die Stirn und lassen dem nicht immer pointiert genug eingesetzten Ideenfluss keine Gelegenheit das Gesamtwerk ernsthaft zu beeinträchtigen.

Nur Zeit sollte sich der Hörer nehmen, um sich in den Flächen und Räumen dieses beeindruckenden Debüts zurechtzufinden. Als Belohnung winkt neben einer äußerst sinnlichen und nicht zu verachtenden Erfahrung ein weiteres Mal die freudige Erkenntnis, dass sich deutsche Produktionen, Bands und Künstler nicht hinter der internationalen Konkurrenz verstecken brauchen. Ein herzliches Dankeschön nicht nur dafür an Watered.



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