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The Tallest Man On Earth – There’s No Leaving Now

Ganz sicher ist dieses Album das bisher wichtigste eines Singer/Songwriters dieses Jahres. Kristian Matsson beweist, dass er schon lange kein Geheimtipp mehr ist, sondern selbst einer der ganz, ganz großen – und herzzerreißender, als Bob Dylan es jemals hätte sein können.

Kristian Matsson wächst mit seinen Aufgaben. „There’s No Leaving Now“ ist vielleicht noch nicht der Höhepunkt seiner Karriere, aber trotz allem doch ein weiterer Schritt in Richtung Songwriter-Himmel.

Die alten Harmonien bleiben Grundlage für die neue Auslage des größten Mannes der Welt. Trotzdem erweitert Matsson seinen Horizont und integriert seichte Percussions und mehrere Instrumente, wie man es in „Sometimes The Blues Is Just A Passing Bird“ erahnen durfte. Er bringt mehr Lebhaftigkeit und weniger Lethargie in seine Songs, vergisst dabei aber nicht seine Wurzeln.

„Leading Me Now“ ist ein schönes Pendant zu „Love It All“ und bestimmt genauso liederhaft traurig. Die leitende Gitarre im Rhythmus und die scheinbar fliegende Melodie verschmilzt mit der innerlich zerbrochenen Stimme Matssons.

„Bright Lanterns“ erinnert an Wiegenlieder in schwedischen Holzhütten.

The Tallest Man On Earth, geboren in Dalarna und eigentlich nur um die 1,57 Meter klein, beweist wahre Größe. Ein reiner Vergleich mit Bon Iver, Bob Dylan oder Iron & Wine ist unzulässig. Matsson schafft hier einen eigenen Raum und eine eigene Zeitlosigkeit, die ganz anders wirkt, als, zum Beispiel, der Folk der frühen 70er.

Das wichtigste Puzzlestück in dieser Liebeserklärung an die Endlosigkeit und die Liebe selbst, ist der Titel, der diesem Album seinen Namen gab.

„There’s No Leaving Now“ ist fragil und labil. Ein reines Stück aus Klavier und Gesang, eine Rückbesinnung auf die minimalistische Schönheit von „Shallow Grave“.

Ganz sicher ist dieses Album das bisher wichtigste eines Singer/Songwriters dieses Jahres. Kristian Matsson beweist, dass er schon lange kein Geheimtipp mehr ist, sondern selbst einer der ganz, ganz großen – und herzzerreißender, als Bob Dylan es jemals hätte sein können.



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