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Vinyl Galore & Plattenspieler

Poliça – Give you the Ghost

Ich liebe Hypes. Die kann man so herrlich demontieren und den ganzen ahnungslosen Gazetten mal ordentlich die Leviten lesen. Mal ordentlich Dampf ablassen und sich an der Dreistigkeit ahnungsloser Schreiberlinge abreagieren, die heute völlig überzogen und völlig willkürlich alles über den grünen Klee loben was sie gestern noch mit Missachtung gestraft haben. Nur weil irgendein Trendscout pfeift, stehen sie alle parat. Und nur weil der Typ von Bon Iver angeblich gesagt haben soll, dass das die beste Band der Welt sein soll, sind nun die nächsten an der Reihe. Poliça.

Binnen weniger Augenblicke macht das Duo um Sängerin Channy Leaneagh und Produzent Ryan Olson den Worten Justin Vernons wider Erwarten fast alle Ehre und straft alle Widersacher mit einer ungewöhnlich exquisiten Mischung aus tanzbaren aber unberechenbaren Beats, pumpenden Basslines und einer hypnotisierenden weiblichen Stimme, die geisterhaft per Autotunes außer Form gebracht aus einer Parallelwelt heraus zu bezirzen scheint.  Mit unzähligen feinen Extras, dezent eingestreuten Bläsern und galanter Dramaturgie garniert, bleibt diesem Debüt immer genug Vorsprung, um nicht auf halber Strecke an Charme, Magie und Klasse zu verlieren und so finden sich gerade in der zweiten Hälfte auch kompositorisch die besten Arbeiten. Die fantastische Single „Lay your cards out“ zeugt vor allem von diesen einzigartigen Momenten, in denen die stets anzutreffende melancholische Dunkelheit von „Give You The Ghost“ auf solch ein erotisch aufgeladenes Fundament aus verwegenem Pop und latentem R ’n‘ B trifft, dass man geneigt ist Mr.Vernon so weit zuzustimmen, dass zumindest die Tanzflächen dieser Welt kollektiv einen Narren an dieser Band aus Minnesota fressen werden.

Die Zerbrechlichkeit dieser labilen Stimmung und die Tragik ihrer Lyrik stehen dabei so konträr zu dem Sex-Appeal des Albums, dass sich dieser Pop vor allem in seinem Zwiespalt und seinen Schatten eine eigene Nische schafft und sich neben dem Rest der Welt auch denen empfiehlt, denen Moloko immer zu verkopft war und James Blake einfach zu anstrengend und zu überladen ist.



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