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Petrels – Onkalo

Erzählt in einer komplexen Sprache aus Streichern, Gitarren, verzerrten Synthies und Samples bietet Petrels einen faszinierenden Trip durch lose miteinander verknüpfte Themen, die alle um ein finnisches Endlager für radioaktive Abfälle namens Onkalo ranken.

Wenn der Brite Oliver Barrett im berührenden Finale seines zweiten Albums mit Elementen der jiddischen Harmonielehre spielt und damit thematisch und stilistisch an die unter dem Begriff „Kindertransport“ bekannte Ausreise von über 10.000 jüdisch stämmigen Kindern aus dem Deutschen Reich 1939 nach Großbritannien erinnert, zeigt das sehr bezeichnend den kreativ weiten Rahmen sowie die thematische Vielfalt von „Onkalo“ auf.

Erzählt in einer komplexen Sprache aus Streichern, Gitarren, verzerrten Synthies und Samples bietet Petrels einen faszinierenden Trip durch lose miteinander verknüpfte Themen, die alle um ein finnisches Endlager für radioaktive Abfälle namens Onkalo ranken. Angezogen von dem Gedanken, dass hier menschlicher Abfall eine längere Zeit überdauert als der Mensch überhaupt bislang existiert hat, bildet Barrett eine thematische Spirale aus Angst, Protest, Beklemmung aber auch räumlicher Weite und Optimismus, die in gelungenen Kompositionen vermittelt wird. Und so taumelt der geneigte Hörer in neun Kapiteln durch eisige Droneflächen, verstörende Ambientklänge angenehm greifbaren musikalischen Höhepunkten entgegen, die sich teils subtil wie im ergreifendem „Characterisation Level“ entwickeln während sie sich im fantastischen „White and Dodger Herald The Atomic Age“ majestätisch auftürmen.

Nicht zuletzt damit gelingt dem jungen Briten nach seinem gefeierten Erstling „Haeligewielle“ erneut ein höchst ansprechendes Album über die Zeit, das ebendiese vom Hörer einfordert und sämtlicher Rhythmik und konventioneller Struktur entledigt zumindest über eine Stunde lang paradoxerweise eine Welt entschleunigt, deren höchstes Gut das Ticken der Uhr zu sein scheint.



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