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Our Ceasing Voice – That Day Last November

Man erkennt sofort, wenn man etwas Besonderes, etwas Grosses vor sich hat. Es ist wie die Liebe auf den ersten Blick. Sie ist intensiv, beflügelnd und einzigartig und man vergisst sie nie. Genauso verhält es sich mit „That Day Last November“.

Ich habe, zugegebener Maßen, wirklich grossen Respekt vor dieser Rezension, weil das neue Album von Sebastian und Reinhard Obermeir, Markus Rappold und Eyup Kus, aus Innsbruck und Wien, eins der stärksten Alben ist, über das ich bisher schreiben durfte. Our Ceasing Voice haben fast ein Jahr an ihrem Werk gearbeitet und wurden dabei u.a von Anna Jenewein (backround vocals), Matthew Ryan (lyrics/vocals), aber auch vielen weiteren Freunden unterstützt.

Acht Songs, vier Musiker, ein Album… wenn das mal so einfach wäre. Glücklicherweise ist es das nicht, deshalb möchte ich euch einige der Stücke kurz vorstellen.

Der erste Song Afterglow folgt einem klimaktischen Aufbau. Das Intro ist in eine Synthesizer Melodie gekleidet, die durch das Einsetzen der trottenden Drums und der schleppenden Gitarren an Stärke gewinnt. Die harmonische Monotonie der Melodie ist ein weiteres Stilmittel, dass perfekt umgesetzt wurde. Dieser Aufbau zieht sich durch alle Fragmente des Songs, sowohl bei den Gitarren, als auch beim Gesang von Reinhard Obermeir. Sein gutturales Flüstern erzählt von einer Bindung, die nicht mehr so ist, wie sie einmal war und von der Frage, ob es jemals wieder so werden wird. Er wird von Anna Jenewein durch backround Gesang begleitet.

Until Your Chest Explodes wird von Matthew Ryan gesungen und ist der erste Song mit dazugehörigem Musikvideo auf Youtube. Es geht in dem Song um das Streben nach Glück und dessen unweigerliches Scheitern, um den zerbrochenen Traum von Freiheit und einem souveränen Leben. Es geht um den Betrug der Welt an den Menschen, ein Abgesang an alle gebrochen Versprechen, alle toten Träume alle Illusionen und Fehlfarben einer bunt schimmernden, bigotten Welt, die dich lähmt, aussaugt und zum sterben aussetzt. Ein finster-wahres Bild der Gegenwartskultur, der Mensch als Produktionskörper, ohne intrinsischen Wert, ohne Hoffnung auf Erlösung. Zum Funktionalismus konditioniert, bei ökonomischer Untauglichkeit abgestoßen, ein karges Zubrot, die Jahre der Entbehrung zu vergessen, der Fernseher spendet kaltes Licht als Fenster in eine entfremdete Welt. Das Soma unserer Generation—Arbeiten, Kaufen, Konsumieren, Sterben- ohne je zu leben, durch den Gesang und die Instrumente perfekt in Szene gesetzt.

One Of These Nights wird wieder durch das gutturale Flüstern von Reinhard und einigen leisen Worten von Anna im Hintergrund erzählt. Es geht in dem Song darum, wie leer und verloren man sich fühlt, wenn man jemand schmerzlich vermisst und das Tag für Tag. Jemanden zu verlieren, den man liebt, kann einen um den Verstand bringen, alles erscheint grau und sinnlos. Man trägt denjenigen immer bei sich und manchmal fühlt man seine Nähe, aber wenn man sich umdreht, ist derjenige nicht da. ,Her eyes would forever shine to him as he sees her blowing him a kiss from a train.

Maybe one of these nights she’ll finally step down from that giant ghost and whisper: „Come on, let’s dance.“, ist eins der schönsten Zitate des Albums. Während der Songtext geflüstert wird, ist eine leise, sehr sachte und melancholische Melodie zu hören, die erst nach Beendigung der Lyrics zu voller Größe anschwillt und das Ende einleitet.

Ich möchte aber auch nicht zu viel vorweg nehmen, es soll ja spannend bleiben.

Our Ceasing Voice haben mit diesem Album definitiv ihr musikalisches Können und ihre Liebe zur Musik unter Beweis gestellt und werden damit sicherlich nicht nur mein Herz berühren. Danke dafür!



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