Skip to main content

Vinyl Galore & Plattenspieler

Moji Moji – Toda esta naturaleza es impredecible

Aufs Gesamte hin betrachtet ist Toda Esta Naturaleza Es Impredecible ein sehr entspanntes, sehr angenehmes Werk, das wohl niemanden negativ beschäftigen sollte. Stattdessen sollte ein Platz auf der Playlist für Frühlings- und Sommerabende sicher sein.

Einmannprojekte sind ja nun wahrlich nichts neues. Kein Wunder, der Reiz ist schnell klar – volle kreative Kontrolle, keine Abstimmungsschwierigkeiten, keine störenden Egotrips der Mitmusiker. Da kann man der Produktivität freien Lauf lassen – wenn man denn überhaupt über das dazu nötige musikalische Talent verfügt.

Moji Moji, so der Künstlername von Lucas Page aus Buenos Aires, macht da keine Ausnahme. Der kommt zwar aus der gleichen Stadt wie der neue Papst, beschäftigt sich aber mit sinnvolleren Dingen, als den Menschenverstand zu beleidigen. Stattdessen macht Herr Page nämlich ziemlich nett klingenden, instrumentalen Postrock. Dabei merkt man zu keiner Zeit an, dass es sich hier eben nicht um eine komplette Band handelt. Kreativität für drei, vier Menschen ist also scheinbar vorhanden.

Die dritte Veröffentlichung des einzelnen Argentiniers erscheint quasi just jetzt auf Oxide Tones und bietet fünf Songs, die dem Herkunftsland entsprechend Lust auf Sonne machen. Sanft zwischen Ambient, Elektro und Postrock pendelnd ist das genau richtig, um ein wenig zu entspannen und dem Winter erstmal Goodbye zu sagen und sich eine Runde ins Gras zu setzen.

Zum tanzen oder headbangen läd hier also – erwartungsgemäß – nichts ein, dafür aber eben zum rumliegen und Augenschließen. Alles ist hier reduziert, seicht, gemütlich, und nicht, wie der Titel andeutet, unberechenbar: Die Drums werden zumeist spärlich und akzentuierend eingesetzt, die verschiedenen Melodieinstrumente, teils Slide-Gitarren(-ähnliches) und Marimba(-ähnliches), tragen dafür größtenteils die Atmosphäre. Der – in diesem Fall relativ – heftigste Song ist da vermutlich sogar der erste, der Titeltrack Toda Esta Naturaleza Es Impredecible, wogegen die folgenden Stücke sich eher sehr schüchtern, aber intensiv geben. Dabei ist das Album zu keinem Zeitpunkt irritierend, laut oder sperrig, alles fließt unaufdringlich und sanft ineinander.

Aufs Gesamte hin betrachtet ist Toda Esta Naturaleza Es Impredecible ein sehr entspanntes, sehr angenehmes Werk, das wohl niemanden negativ beschäftigen sollte. Stattdessen sollte ein Platz auf der Playlist für Frühlings- und Sommerabende sicher sein.



Ähnliche Beiträge

Red Apollo – Altruist

Red Apollo - Altruist

Altruismus bezeichnet – grob gesagt – das Gegenteil von Egoismus. Damit endet die heutige Philosophie- und Ethikstunde auch schon. Ein Beispiel: Egoistisch wärs von Red Apollo gewesen, ihr aktuelles Album für sich zu behalten. Gut dass sie es nicht getan haben, der Name ist also zumindest in der Hinsicht Programm. Die Dortmunder haben drei Jahre nach […]

PerterLicht – Lob der Realität

Lob der Lob der Realität Manch einer wird sich jetzt denken: PeterLicht? Ach ja, das war ja der mit dem Sonnendeck, so’n Spaßelektrohit vor mehr als einem Jahrzehnt. Den gibt’s noch? Macht er jetzt ironischen Berlintechno? Wäre ja cool, Sonnendeck war doch lustig. Es ist seltsam mit PeterLicht. Tatsächlich hätte er alles, was ihn aktuell […]

Sounds Of New Soma – Beyond The Acid Dream

Insgesamt verschaffen Sounds Of New Soma dem Hörer einen knapp fünfzigminütigen Trip in vier meditativen Phasen, der auch ohne zusätzliche Geisteserweiterung durchaus funktioniert – auch wenn einem ab und zu einer belehrend-selbstbeweihräuchernd-oberlehrerhaft reinredet und einfach ein wenig stört. Unpopuläre Meinung vorweg: Ich kann mit Drone nix anfangen. Ich versteh den Reiz nicht. Da passiert einfach […]



Keine Kommentare vorhanden


Kommentar verfassen