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Lockerbie – Ólgusjór

Das Album strotzt von Lebensfreude, Melancholie und Harmonie, wobei Klavier und Streicher so dezent und passend eingesetzt werden, dass man in Gedanken schweift und sich den hellsten Ort der Welt herbeiwünscht.

Nach Agent Fresco, For A Minor Reflection und Sigur Rós, machen sich Lockerbie mit „Ólgusjór“ nicht nur endgültig einen Namen, nein, sondern besteigen zugleich auch den Olymp isländischer Musikqualität.

Island ist schon lange nicht mehr nur das Land der Vulkane, Berge und schönen Landläufe. Spätestens nachdem Björk das Licht der Popwelt erblickte und die „Iceland Airwaves“ sogar auf der ganzen Welt Bekanntheitsgrad erlangten, scheint Island der Kulturbotschafter experimenteller und alternativer Musik geworden zu sein.

Lockerbie also, gegründet im Januar 2008 in Hafnarfjörður, sind in Island schon länger kein Geheimtipp mehr. Nach einer Tour mit For A Minor Reflection und weiteren Auftritten in ganz Island inklusive eines Debütalbums, findet selbiges jetzt auch seinen Weg über das Meer zu uns.

„Ólgusjór“ lässt sich zunächst im Grundsatz mit einem Wort beschreiben: „wunderschön“.

Das Album strotzt von Lebensfreude, Melancholie und Harmonie, wobei Klavier und Streicher so dezent und passend eingesetzt werden, dass man in Gedanken schweift und sich den hellsten Ort der Welt herbeiwünscht. Ein Soundtrack für DEN Moment des Lebens; diese Musik erlaubt es einem zu fliegen und die Welt von oben zu sehen.

Den Himmel zu schmecken und wieder Kind zu sein.

Eine reine Stimme und sanfte Rockeinlagen geben den Songs nicht nur eine Einzigartigkeit, sondern erinnern manchmal sogar eher an Postrock in seiner elegantesten Fassung.

„Reyklykt“ sticht mit Chor- und Bläsereinlagen zum Ende heraus, während der Titelsong „Ólgusjór“, zu deutsch: „unruhiges Meer“, nach einem Orchester-gleichen Aufbau von einer brüchigen Wucht verfügt, die einem bei Marschtempo nicht nur Hoffnung, sondern auch Glückseligkeit vermittelt. „Snjóljón“ („Schneelöwe“), und „Laut“ („Hohl“) runden das komplette Album mit langen Instrumentalparts á la carte gediegen ab.

Insgesamt lässt sich „Òlgusjór“ als eine weitere isländische Musiküberraschung beschreiben. Ein durchweg solides und fröhliches Album, das es durchaus verdient auch in Deutschland hohen Status zu erlangen. Lockerbie werden, da bin ich mir jedoch ganz sicher, schon bald nicht mehr im Schatten ihrer Landesgenossen, sondern im Mittelpunkt der Pop und Postrockkultur Islands stehen.



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