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Isbells – Billy

Isbells

Isbells – „Billy“ spielt mit Elektronik, Streichern, Blas- und Tasteninstrumenten, ohne das schwelgerische Gefilde eines Singer-Songwriters zu verlassen. Es ist ein Album mit vielen Variationen, doch mit einem alles verbindenden Unterton – einer Schwermut, die einen ergreift und die Augen schließen lässt.

Wenn man an Belgien denkt, kommt zuerst etwas Unbeschwertes in den Sinn. Bier, Waffeln, Schokolade. Doch ein Gefühl der Nostalgie gibt Isbells – das Projekt vom Singer/Songwriter Gaëtan Vandewoude versetzt in diese imaginäre Landschaft aus weiten Horizonten, Flachland und geräumigen Klängen.

Mit Naima Joris, Bart Borremans und Gianni Marzo fand er 2009 Musiker, um seine Vision vom melancholischen Folk mit interessanter Instrumentierung zu verwirklichen. Nun erscheint das dritte Album „Billy“ (Zealrecords/Cargo) am 15. Januar. Die zehn Tracks sind wie eine Auszeit, die schöne Stimme, die an Bon Iver und Nick Drake erinnert, lässt den Alltag sanft vergessen.

„Billy was lonely“, singt Vandewoude im Opener „Billy“. Allein, wie man es sich in der von Blasinstrumenten und Streichern evozierten Landschaft vorstellen kann. Auch wenn die Melodie so eingängig ist, verbirgt der Song eine tiefe, unterschwellige Melancholie, „Billy was a sad a boy. He had nobody to confide in“. Ob Vandewoude über sich selbst spricht? Man kann das nicht mit Sicherheit wissen, doch das ist ein sehr persönliches Album. Das Kind auf dem Cover ist Vandewoude selbst, die Kindheit ist ein zentrales Thema seines dritten Werkes. Sehr nostalgisch ist auch „Nothing goes around“, gekennzeichnet von herzzerreißenden Gitarren und starken Drums. Nur ein stärkerer Bass für mehr Tiefe fehlt.

Etwas experimenteller klingt „Calling“. Die Glöckchen erinnern an ein Rufen, genau wie der Titel sagt. Im Gegenteil bodenständiger ist das sehr schöne Lied „I was told“. Die Stimmung ist hier eher Country-Americana, die Stimme hat weniger Echo und klingt wie eine Geschichte am Lagerfeuer erzählt. Verloren in Gedanken hört man das melancholische „I don‘t need any color“. Sicher ist die starke Trompete nicht jedermanns Geschmack, doch sie trägt zu einer verträumten, offenen Stimmung bei. Wieder kontrastreich sind die nacheinander gestellten „The Sound of a Broken Man“ und „When we were young“. Wenn das erste der beiden etwa schneller und poppiger ist, ist der andere Song eine, im guten Sinne des Wortes, fragile Ballade, die wieder von der Kindheit des Sängers spricht. Sehr schön fängt das Lied mit einem im Raum allein stehenden langgezogenen Gesang an, der fast mystisch klingt. Die Gitarre im Hintergrund begleitet dann leise und unaufdringlich die Vocals, die sich zum Doppelgesang entwickeln, bis der Song sich im letzten Teil instrumental öffnet.

Sehr elegant und intim ist „When we were young“. Nur die samtige Stimme und ein Klavier. Schöne Pausen und Stille. Dieser minimaler und berührender Aufbau passt perfekt zu den introspektiven, reflektierenden Zeilen, wie „We’ve been looking so long for someone to blame, We’ve been wrong“, die das Lied zu einer Beichte machen. Im Gegenteil mischt „The Art of Knowing“ Trompeten und leise Beats, nach dem langen instrumentalen Intro kommt dann die Stimme und die Stimmung wird nostalgischer.

Wieder einen Wechsel stellt „Hand on Chest“ dar. Fast eine Country-Ballade mit den typischen Americana-Gitarren, die sich plötzlich in der letzten Minute verwandelt und den Hörer mit einem – für Isbells wilden – instrumentalen Teil aufschüttelt. „Falling for You“ schließt dann das Album eher poppig und flott ab.

„Billy“ spielt mit Elektronik, Streichern, Blas- und Tasteninstrumenten, ohne das schwelgerische Gefilde eines Singer-Songwriters zu verlassen. Es ist ein Album mit vielen Variationen, doch mit einem alles verbindenden Unterton – einer Schwermut, die einen ergreift und die Augen schließen lässt. www.isbells.be

Isbells in Deutschland:
Dienstag, 23. Februar: Musikbunker, Aachen
Mittwoch, 24. Februar: Kulturclub Schonschön, Mainz
Donnerstag, 25. Februar: Druckluft, Oberhausen



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