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Vinyl Galore & Plattenspieler

Hope – Hope

Hope

Die Ästhetik klirrender Kälte.

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Kalt und dunkel – das sind die ersten und vorerst einzigen Adjektive, die ich bei meiner einleitenden Beschreibung der Berliner Band HOPE anbringen möchte.

Auf ihrem kürzlich erschienenen, selbstbetitelten Debut herrscht über weite Strecken auch nichts anderes als Kälte und Dunkelheit. Die schneeweiße Platte steckt in einem rabenschwarzen, matten Cover, hier glänzt absolut überhaupt nichts, vom Bandnamen abgesehen, passt ansonsten alles perfekt ins Konzept.

Opener und erste Single „Kingdom“ beginnt mit diffusem Elektrogebrutzel und aggressiven, harten Drums, die einsetzende Stimme der Sängerin sorgt für das erste „Oha!“. Die Dame weiß ihr etwas unterkühlt wirkendes, tauwasserklares Organ sehr gut einzusetzen und macht sofort deutlich, was in Zukunft im Fokus des Albums liegen wird. Die Stimmung insgesamt ist düster, die sich weiter einmischenden Synthesizer und die bis zur Unkenntlichkeit verzerrten, rasenden Gitarren schneiden kompromisslos in jedes Fleisch. Etwas weniger nach Industrial, eher sachte schließt sich „Cell“ an. Die Stimme ist etwas versöhnlicher und harmonischer geworden, alles andere ist weiterhin finster und zäh. Alle aufgefahrenen Elektrosounds und die effektbeladenen Gitarren werden dichter, im strukturierten Krach klingen Melodien auf wie Diamanten in einem tiefen Bergwerksschacht. Obwohl wir es hier mit einem nicht sehr leicht zu verdauenden, undurchdringlichen Dickicht an Klangelementen zu tun haben, setzt sich die Stimme durch und schwebt über dem Geschehen.

Bei „Raw“ ist der Name Programm, roh und frostig schallt dieses düstere, aber stimmungsvolle Stück Musik aus den Lautsprechern. Die Musik schwillt immer wieder an und ab, es werden aufbauenden Akzente gesetzt. Derbe Krachsoli und die schöne Stimme, die manchmal ganz alleine im Raum steht, wechseln sich ab. „Skin“ beginnt mit dezentem Rauschen, Beats tropfen wie warmes Wachs herunter, die Stimme beschwört derweil nichts Gutes herauf. Ein Piano schafft Struktur, apokalyptische Gitarrenleads runden alles ab, HOPE versteht sich hervorragend auf Industrial! Alles ergießt sich letzten Endes in verstörenden Lärm, „Glass“ greift den Zustand auf und beginnt den Zerfall voranzutreiben. Es brummt, hektisches Schlagzeug treibt im Hintergrund, alles Sounds laufen wieder zu einem kakophonischen Gewirr zusammen. Über allem steht die glasklare Stimme, die obwohl alles leiser wird, unbeirrt stehen bleibt.

„Drop Your Knives“ ist ungewohnt melodisch und beginnt mit einem Konstrukt, das einem klassischen Riff nahekommt. Gnadenlos harte Drums sorgen für ein dumpfes Gefühl in der Magengrube, gelegentliche Stopps und andere Akzente sorgen hier für Aufregung. „Moths And Birds“ klingt nach Film-Noir-Soundtrack und weiß durch Mottengeflattersounds inständige Gänsehaut zu erzeugen. Durch den Einsatz von relativ klar zu deutenden Gitarren, kann man hier noch am ehesten von einem konventionellen Song sprechen. Am Ende steht „Here Lies Love“, allein der Titel gibt es schon preis, es handelt sich mitnichten um einen Love Song. Der Gesang legt sich sangt über diffuse Windsounds und rhythmisch zugeschlagene Türen. Kalt und unbehaglich ist es, Melodien sind vorhanden, man muss sie aber erst ausfindig machen um ihren Sinn zu verstehen.

HOPE ist alles andere als leichte Kost und Lichtjahre von der Liste der Sommeralben des Jahres entfernt, aber hier wird mit einer Intensität negative, fröstelnde Stimmung verbreitet, dass es eine wahre Pracht ist. Man kann nur hoffen, dass HOPE keine Eintagsfliege ist und dass man bald wieder von den Berlinern hören wird.




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