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Hey Ruin – Irgendwas Mit Dschungel

Hey Ruin

Hey Ruin fragen auf ihrem im März erscheinenden Debüt Irgendwas Mit Dschungel „Ist das noch Punk oder schon depressiv?“…, doch dies kann auch als versteckte Selbstbeschreibung ihrer Musik verstanden werden.

Hey Ruin sind nämlich wütend – um genauer zu sagen, stinksauer. Und das hört man auch gleich im Opener. In Schleuse stürmt die Rhythmus-Sektion wie besessen nach vorne, die Gitarren verquirlen sich, ein treibender Wust entsteht: „Wem geht ein Licht auf und wem nicht?“

Ab Spaß als Fetisch wird vorerst das Bremspedal gedrückt – die Milchzähne abgestoßen, bekommt das „schon depressiv“ Einzug in die Musik. Die Band stört das allerdings nicht, welche weiterhin rotzig und zugleich pointiert mit den Auswüchsen der Gesellschaft abrechnet. Da werden Tocotronic zitiert, Samba-Rhythmen ausgepackt, die „Hirnflut“ herbeigesehnt und sogar das ein oder andere melodische Outro spendiert. Das ist kreativ, kein ADS, um eine weitere Frage der Band zu beantworten. Leider vermisst man daraufhin trotz Sängerwechsel eine gewisse Abwechslung und auch zieht nicht jeder Track genug nach vorn, um vollends mitzureißen – ein gefühlter kleiner ‚Hänger‘ in der Albummitte ist das Resultat.

Doch die Antwort darauf folgt prompt: Auf „Hemd Offen“ warten Hey Ruin mit dem Love A-Sänger Jörkk auf, wodurch der Gesang eine willkommene Ergänzung erhält. Auch das schon vorher bekannte Basic Schutzinstinkt hat etwas einzuwenden und serviert zuerst einen kurzweiligen Hit inklusive Ohrwurmmelodie, der sich jedoch stetig weiter entwickelt und dabei typische Wiederholungsmuster über Bord wirft – soll das noch Punk sein?

Irgendwas Mit Dschungel – ob jetzt als Nonsens–Titel, ironische Anspielung auf die zumindest inhaltsfrei wirkenden Bilderbuch (Willkommen im Dschungel) oder stilvoll mit dem Artwork untermalte Metapher zu verstehen, ist ein Gemisch aus den alten Bekannten Indie, Punk und Hardcore – gerade genug von jedem, um allen Fanlagern das Reinhören zu empfehlen. Musik ist Message und Medium in einem – da geht es z.B. gegen Intoleranz, Fremdenhass und Homophobie. Alles, was Scheiße ist eben. Damit stellen sie sich auch gegen jene Deutschrock-Bands, „die in ihren Texten vermitteln, dass ja eigentlich alles ganz geil ist und dass die Zeit des Jammerns endlich mal vorbei sein könnte.“

Zum Schluss kommt „Arthur und die Diaspora II“ mit unpunkigen sechseinhalb Minuten daher, als wäre ein Doppeltrack nicht schon genug Progressivität. Diese Länge rechtfertigen Hey Ruin mit einem unwiderstehlichen Outro, wo diese eine versöhnlich stimmende Riff-Wand erbauen, die das geduldig vorgetragene „Alles wird gut“ ablöst – und man mag Ihnen das fast glauben.

Kurz: „Ist das noch Punk oder schon depressiv?“ Weder noch und beides zugleich. Hey Ruin liefern ein überzeugendes Debüt im bekannten Gemenge von Indie, Punk und Hardcore ab, ziehen dabei mit klugen Texten, aber mit rotziger Attitüde über die Missstände unserer Gesellschaft her und sind dabei nur noch etwas zu kurzatmig für die Langstrecke.



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