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Die Nerven – Fludium

Die Nerven sind roh, authentisch und witzig. „Sommerzeit Traurigkeit“ hat es mittlerweile auf 11.000 Klicks geschafft und nicht umsonst sind die Nerven Teil des aufgekommenen Labels „This Charming Men Records“, was man spätestens seit Kadavar oder zumindest seit Messer kennen sollte.

Die deutsche Musikszene durchflutet den ruinierten Musik-Badestrand der monotonen letzten Jahre. Eine unglaubliche Welle aus Post-Punk, Noise und jeder Menge Rebellion spült unsere Ohren und gibt uns wieder Einblicke in die Tiefsee von verhinderten Germanistik-Studenten und dem Hass auf das, was sich heutzutage Musik schimpft. Sinnbild dafür sind auch Die Nerven und „Fluidum“ hat den Charakter, den man mittlerweile braucht, um auf sich aufmerksam zu machen.

So ist es also nicht gerade überraschend, dass ausgerechnet diese drei Stuttgarter zielgerichtet die alternativen Musikblogs stürmen und sich sowohl an Bildschirmwerbung an Stuttgarter Bahnhöfen und Tourtagebüchern in der Taz erfreuen können. Doch nicht genug um den Hype: Die Nerven sind seit 2012 für exzessive Liveshows und eine brachiale Soundgewalt bekannt. Das kann nicht nur an der unschlagbaren, übersetzten Cover-Version Lana del Reys Sommerhits liegen – also was steckt eigentlich hinter den Nerven?

Die Nerven sind roh, authentisch und witzig. „Sommerzeit Traurigkeit“ hat es mittlerweile auf 11.000 Klicks geschafft und nicht umsonst sind die Nerven Teil des aufgekommenen Labels „This Charming Men Records“, was man spätestens seit Kadavar oder zumindest seit Messer kennen sollte. Messers „Im Schwindel“ war für mich eine Hymne und ist für mich eine der ganz großen deutschen Post-Punk Platten, wenn sie auch erst ein Jahr zählen darf. Die Nerven haben sowohl den Rückenwind, als auch den Laufschatten hinter Messer genutzt, um mit „Fluidum“ erst einmal auf sich warten zu lassen.

„Fluidum“ ist also frisch, brüskierend und bitterböse, die Texte sind geradeaus und derb. „Ich wünschte mein Körper wäre ein Schrapnell“ ist wahrscheinlich frei jeglicher Sinntiefe eine großartige Allegorie (da stehen sie wieder kopf, die Germanisten) und gibt den urtypischen Punkgitarren einen Hauch Studentendasein und Untergrundmusiker-Verzweiflung. Wir reden hier letztendlich nicht von anspruchsvollen Songstrukturen oder dynamischen Palästen, aber dennoch schlägt „Fluidum“ dem Hörer ins Gesicht und lässt ihn taumeln. Ich, für meinen Teil, fühle mich beklemmt und verstört – ein Gefühl, dass mich eben wieder eher an meine Hörerfahrungen mit Joy Division erinnert.

Vielleicht sind die Nerven eine neue Version der Basis Post-Punk, vielleicht ist es auch nur ein Trio, das ihrem Freigeist alle Achtung schenkt. Im Zuge der neuen Rebellbands, in welche ich auch Zucker oder Candelilla einreihe, bleiben die Nerven irgendwo besonders.

Max Rieger, der Frontmann der Nerven, ist momentan auch solo unterwegs, mit wem anderes, als eben oben erwähnten Zucker-Mädchen. Das erinnert schon wieder stark an Hendrik Otremba von Messer. Demnach haben wir es hier vielleicht ja doch nur mit ehrlichen Künstlern zu tun und nicht nur mit Rebellen der Jugend.

1. Vom Leben Und Sterben
2. Schrappnell
3. Morgen Breche Ich Aus
4. Haut Und Knochen
5. Irgendwann Geht’s Zurück
6. Bald
7. Für Jahre
8. Die Bösen
9. Unersättlich
10. Der Letzte Tanzende



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