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Vinyl Galore & Plattenspieler

2:54 – 2:54

Immer die Vorhänge runter, alles auf das Wesentliche reduziert und nie weit ausholend. Spartanisch anmutende und betörend schüchterne Verbeugung vor der Sorte Shoegazer, die es damals schon ins Bett mit dem Pop geschafft hat, für den man sich auch heute noch nicht schämen muss.

Sexy, bewusst farblos, kompakt und mit nur dezenten Ausbrüchen angereichert, liefern die aus Bristol stammenden 2:54 auf ihrem Debüt ein homogen klingendes und verhalltes Elixier, zusammengebraut aus allem, was den britischen Pop der frühen 80er Jahre ausgezeichnet hat. Dunkel verhangen, sehnsüchtig und mit einer Extraportion Delay unterlegt, machen die Schwestern Colette und Hannah Thurlow kaum etwas anders als unzählige andere Hypebands der letzten Jahre, rufen Jesus & Mary Chain in Erinnerung, kokettieren mit The Cure Gitarren, beschwören die latente Dunkelheit Joy Divisions und mixen das alles mit einer zeitgemäßen Produktion und unprätentiösen Bandphotos im Profil oder auf die eigenen Schuhspitzen starrend.

Und doch hebt sich dieses selbst betitelte Album immer wieder im Subtext von seiner Konkurrenz ab und verweist in prägenden Momenten ähnlich agierende Bands wie The XX oder Warpaint mit mehr Drive und analoger Wucht in ihre Schranken. Nicht nur die fantastische Single „Scarlet“ oder die griffige Strophe auf dem pumpenden Basslauf von „Easy Undercover“ rücken sie damit näher an das rockende Ende dieser nicht enden wollender Liste von Bands, die sich kollektiv einer Ära der Pop-Geschichte verschrieben haben, die all diese Huldiger aufgrund ihres oftmals erstaunlich jungen Alters meist gar nicht selbst erlebt haben können. Als zum Beispiel The Cure 1979 „A Forest“ geschrieben haben und damit einen Klassiker des dunklen Pop in totaler Abwendung vom Discosound und Glamrock der späten 70er Jahre geschaffen haben, waren die Thurlow-Schwestern noch gar nicht geboren und so verwundert diese würdevolle Adaption in den stets introvertiert klingenden Pop von 2:54 umso mehr. In vielen erhabenen Momenten dieses Albums rechtfertigt  das weit mehr als nur den typisch britischen Hype, der diese Veröffentlichung begleitet und aufgrund seiner stets enormen Kurzlebigkeit kaum wirkliches Qualitätsprädikat sein dürfte.



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