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BERICHT: Opeth, 25.10.2014, Köln Live Music Hall

Erinnert sich noch jemand an das Familien-Duell mit Werner Schulze-Erdel, eine Sendung aus besseren RTL-Zeiten? Die Topantwort auf die Frage: „Nennen Sie etwas, was man an einem Samstagabend niemals tun sollte!?“, wäre auf jeden Fall: „Mit dem Zug nach Köln fahren.“ Die Anreise der beiden PiN-Reporter verläuft allerdings auf getrennten Wegen, sodass nur einer von beiden diese Tortur durchstehen muss, während der andere heute bequem mit dem Auto anreist. Endlich vor der Live Music Hall vereint wird schnell deutlich, dass es heute eine kuschelige Veranstaltung wird – jedoch nicht, was den Klang betrifft: Opeth spielen heute zum ersten Mal seit dem Release des neuen Albums Pale Communion in Nordrhein Westfalen und dementsprechend groß ist der Andrang. Das Konzert ist seit Wochen ausverkauft, bei Ebay gingen die Tickets für über 50 Euro weg und auch vor der Halle finden sich nur 2-3 Leute, die Karten loswerden wollen.

Drinnen haben sich auch bereits einige Zuschauer eingefunden und warten auf die Vorband Alcest. Das Schlagzeug und die Keyboards von Opeth sind bereits vollständig aufgebaut, aber im Moment noch abgedeckt. Deswegen müssen Alcest mit einem Bruchteil der eigentlichen Bühnengröße auskommen und stehen in dem knappen Platz zwischen Backline und Pressegraben. Die vier Herren aus Frankreich, von denen zwei nur bei Liveauftritten zur Band dazu stoßen, arrangieren sich damit aber gut und beginnen pünktlich um 18:30 Uhr mit ihrem Set. Leider ist während des ersten Tracks Wings der Mikrosound viel zu leise, sodass der Gesang völlig untergeht. Instrumentell ist es natürlich trotzdem klasse und die Probleme werden im Verlauf des zweiten Songs behoben. Sicherlich geht es im Vergleich zu Opeth nicht so komplex zur Sache, aber der seichte Mix aus Metal, Post-Rock und Shoegaze geht gut ins Ohr. Ein paar härtere Parts sorgen zwischendurch immer wieder für Abwechslung. Neben dem Opener werden noch zwei weitere Songs des aktuellen Albums Shelter gespielt. Allerdings werden alle Alben der Band mit zumindest einem Song bedacht. Fans der älteren Sachen müssen trotzdem damit leben, dass nur in zwei Songs gutturaler Gesang zum Einsatz kommt. Alle Songs haben aber eins gemeinsam: eine unglaublich dichte Atmosphäre. Zur allgemeinen Enttäuschung wird das Set nach 40 Minuten mit Delivrance beendet. Es hätten ruhig noch zwei Songs mehr sein dürfen.

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Die Umbaupause ist angenehm kurz und reicht geradeso dafür aus, um sich am überfüllten Merchstand einen kurzen Überblick zu verschaffen. Preise von 25 Euro für ein T-Shirt sind allerdings sehr ernüchternd und so werden schnell wieder die alten Plätze aufgesucht. Die Live Music Hall hat sich mittlerweile bis auf den letzten Platz gefüllt und die Temperatur ist besonders in den hinteren Teilen der Halle in unangenehme Höhen gestiegen. All das wird innerhalb von 0,3 Sekunden zur Nebensache als das Licht ausgeht und Opeth die Bühne betreten. Nach dem Intro Through Pains to Heaven (übrigens von den großartigen Popol Vuh) wird mit Eternal Rains Will Come der erste Song gespielt. Was nun folgt ist ein großartiges Set. Dass jedes Bandmitglied ein wahrer Meister seines Faches ist, muss eigentlich nicht noch einmal erwähnt werden. Das Zusammenspiel der fünf Mannen macht jeden Song zu einem kleinen Kunstwerk für sich. Vor allem die Komplexität bei solcher Eingängigkeit ist dabei kaum zu übertreffen. Kein Song gleicht dem anderen, alles wirkt sehr durchdacht und ausgetüftelt. Die Soli von Gitarrist Fredrik Åkesson werden wohldosiert eingestreut. Durch den Einsatz des Keyboards und der Orgel sind einige Abschnitte sehr jazz- und proglastig, kurz darauf wiederum wird knallharter Death Metal geboten. Im Zentrum des Ganzen steht dabei natürlich Frontmann Mikael Åkerfeldt. Egal ob cleaner oder gutturaler Gesang, welcher ab dem dritten Song Bleak auch Verwendung findet: Der Mann beherrscht alles. Seine Stimme versagt kein einziges Mal und selbst bei schnellen Wechseln zwischen Growlen und cleanem Gesang gibt es absolut nichts zu meckern. Darüber hinaus ist der gute Herr wohl einer der sympathischsten Menschen, die je eine Bühne betreten haben. Mehrfach unterhält er sich mit Leuten aus dem Publikum, geht auf Zwischenrufe ein, völlig zwanglos und ohne, dass es aufgesetzt wirkt. Selbst, als es während The Devil’s Orchard Probleme mit seiner Gitarre gibt, bleibt er cool und scherzt mit dem Publikum, während ein Roadie das Problem behebt. So könnte dieser technische Fehler fast schon als Bereicherung für dieses Konzert gelten.

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Wie schon bei Alcest spielen auch Opeth drei Songs ihres aktuellen Albums. Der Rest der Songs verteilt sich einmal quer über die gesamte Discographie. Die neuen Songs sind wesentlich ruhiger und sanfter, kommen aber trotzdem relativ gut beim Publikum an. Dieses Publikum ist übrigens den ganzen Abend über sehr angenehm – alle sind gekommen, um die Musik in ihrer Gesamtheit zu genießen, niemand stört. Nach The Great Conjuration verlässt die Band zum ersten Mal die Bühne. Der Beifall will gar nicht aufhören und so dauert es nicht lange, bis die Band wieder zurückkehrt. Laut Aussage Mikael Åkerfeldt ist ein weiterer Grund hierfür auch die anschließende Party in der Live Music Hall, sodass die Band „nicht mal Zeit zum pinkeln“ hatte. Zum Abschluss zeigen Opeth noch einmal all ihr Können und spielen mit Deliverance ein Monster von einem Song. Nach über zwei Stunden Auftritt bleibt der Band anschließend nur noch Zeit für eine kurze Verbeugung, bevor die Halle von den Secrurities zügig mit Hilfe von Absperrbändern geleert wird. Hier wäre trotz der Party im Anschluss durch ein etwas entspannteres Vorgehen wünschenswert; auch wäre eine bessere Belüftung während des Auftritts wünschenswert, besonders bei Konzerten, die so ausverkauft sind, dass sogar Zuschauer in Teilen der Halle stehen, von denen aus sie die Bühne überhaupt nicht sehen können. Dies ist aber was die Musik dieses Abends angeht nur nebensächlich, denn Opeth haben heute ein fantastisches Konzert abgeliefert. Anstelle eines großartigen Schlusswortes bleibt uns in dem Falle nur zu sagen: Opeth, kommt bald wieder. Das 17jährige Metal-Ich, das in jedem von uns schlummert oder nach wie vor ganz offen weiterlebt, hätte nach einem solchen Auftritt sicher Gänsehaut bekommen.




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